Arbeiter mit Bohrer

Gerade in der spanenden Fertigung sollte der Begriff „Arbeitsschutz“ weitreichend verstanden werden. Denn moderner Arbeitsschutz ist präventiv und wartet nicht auf Schäden oder Ereignisse, die erst nach Eintritt verändert oder verbessert werden. Man schützt nicht den Menschen vor der Arbeit, sondern vor allen Gefahren, die von der Tätigkeit ausgehen.

Daher wird „Arbeitsschutz“ mittlerweile als notwendige Kombination aus Sicherheit-Gesundheit-Umweltschutz SGU (oder international HSE Health-Safety-Environment genannt) verstanden und sollte auch so gelebt werden. Die Verantwortung für den Schutz der Beschäftigten liegt dabei ausschließlich beim „Anwender“, dem Unternehmer. Verantwortungsvolle Schmierstoffhersteller berücksichtigen diese Faktoren deshalb bereits bei der Entwicklung von Kühlschmierstoffen. Daneben sollte eine Werkzeugmaschine so ausgerüstet sein, dass die Bemühungen von Herstellern und Anwendern von Kühlschmierstoffen später nicht vollkommen ad absurdum geführt werden, abgesehen von wesentlichen wirtschaftlichen Interessen. SGU/HSE beginnt also schon beim beabsichtigten Kauf einer Maschine und bei der Auswahl des Kühlschmierstoffs.

Denn, was viele Unternehmer nicht genug bedenken: Bereits in der Planung der Maschinenanschaffung oder des zu verwendenden Schmierstoffs liegt ein großes Fehlerpotential. Eine falsche Entscheidung kann zum späteren Zeitpunkt, nämlich wenn z. B. ein Schadensfall unfallbedingter oder krankheitsbedingter Art eintritt, unter Umständen zum Totalausfall des Arbeitsverfahrens führen, weil korrektive Maßnahmen gar nicht oder nur mit hohem finanziellen Aufwand ergriffen werden können.

Einen wirkungsvollen Schutz ihrer Mitarbeiter erreichen Unternehmer, wenn sie ihren Fertigungsprozess in drei Schritten nach dem bekannte T-O-P-Modell optimieren:

  • technische Maßnahmen
  • vor organisatorischen Maßnahmen
  • vor personenbezogenen Maßnahmen

Am Anfang steht: Gefahren erkennen

Zunächst gilt es, das Gefährdungspotential zu erkennen, welches sich bei der Anwendung von Kühlschmierstoffen ergibt. Dieses wird sehr deutlich, wenn man dazu folgende Zahlen vergleicht: Im Bereich der Metallverarbeitung haben die Schmierstoffe als Auslöser von Hauterkrankungen mit bestätigtem BK-Verdacht den größten Anteil von 33%, gefolgt von den Metallen selbst mit 17% und den technische Ölen und Fetten mit 16% (BGI 658 „Hautschutz in Metallbetrieben“, Ausgabe 2008). Allergische Kontaktekzeme können in chronischer Form ein Leben lang erhalten bleiben. Auch wenn Studien belegen, dass in 70% der Fälle ein günstiger Heilungsverlauf erzielt werden kann, wenn man den Kontakt zum Allergen selbst konsequent meidet, ist die erste Zielsetzung schlicht und einfach die grundsätzliche Vermeidung des Kontakts mit jedwedem Allergen. Kein Kontakt bedeutet keine Allergieauslösung.

Gefahren, die von Kühlschmierstoffen ausgehen, sind gegeben durch:

  • grundsätzliche Toxizität
  • cancerogene (krebserregende) Inhaltsstoffe wie z. B. N-Nitrosamine
  • reproduktionstoxische (fortpflanzungsgefährdende) Inhaltsstoffe, wie z. B. Borsäure
  • mehrfach wirkende Inhaltsstoffe (cancerogene und allergene Stoffe), wie z. B. Formaldehyd in Bioziden
  • Mikroorganismen (Bakterien, Schimmel- und Hefepilze), welche z. B. zu Organschäden in Lunge und Leber führen können
  • Allergene und Folgeerkrankungen
  • erhöhte Brandgefahr bei nicht wassermischbaren Kühlschmierstoffen

Betrachtet man nur die Entwicklung von Hauterkrankungen in Deutschland über mehrere Jahre, so stellt sich das folgendermaßen dar:

Arbeitsschutz Diagramm Hauterkrankungen